Mittellateinische Epik (P. Orth)

Ausgangspunkt des Beitrages werden die Frage nach den (kargen) gattungstypologischen Quellen und Aussagen mittellateinischer Autoren sein (etwa in den Poetiken, Accessus und Kommentaren des 12. Jahrhunderts, in Vorreden und weiteren Paratexten) und eine terminologische wie inhaltliche Diskussion des Problemfeldes, das in der mittellateinischen Forschung üblicherweise weit gefasst wird.

In einem zweiten Schritt sollen an charakteristischen Beispielen aus dem 9., 12., 14. und 15. Jahrhundert Entwicklungslinien gezogen und formale, stilistische, auch metrische und prosodische Unterschiede zur antiken lateinischen Epik herausgearbeitet werden. Ein besonderes Augenmerk wird auf Strategien und Techniken der epischen Auseinandersetzung mit antiken Vorbildern und mittelalterlichen Gegenständen und der Versifikation antiker und mittelalterlicher Prosavorlagen gelegt werden.

Zu den genauer zu besprechenden Texten werden das Fragment Karolus Magnus et Leo papa und der Waltharius aus dem (frühen) 9. sowie die Alexandreis Walters von Châtillon und die von ihr beeinflussten Großdichtungen des 12. und 13. Jahrhundert gehören; kontrastierend, als Vertreter einer programmatischen literarischen Abgrenzung von nachantiken Dichtungen werden die Africa Francesco Petrarcas und die Carlias des Ugolino Verino den Übergang zur neulateinischen Dichtung markieren.